4. NordLogistik in Hamburg

Unter dem Motto „Neue Wege braucht der Norden“ fand am 17. Mai 2014 in der MagnusHall in Hamburg der 4. Tag der NordLogistik statt – in diesem Jahr erstmals bei strahlendem Sonnenschein. Rund 200 Mitglieder sowie Branchenvertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft folgten der Einladung der Transport-, Speditions- und Logistikverbände und der SVGen aus Hamburg und Schleswig-Holstein zu einer Großveranstaltung mit dem Schwerpunktthema Logistik im Norden. Ein zweiter Schwerpunkt war der Wettbewerb von Auszubildenden aus Schleswig-Holstein und Hamburg mit dem Lkw.



Über die NordLogistik

Die NordLogistik vernetzt zum dritten Male länderübergreifend die Transport-, Speditions- und Logistikbranche in Hamburg und Schleswig-Holstein. Sie wird getragen von den Gewerbeverbänden sowie den Straßenverkehrsgenossenschaften beider Länder. Sie vertreten zusammen mehr als 1.500 Unternehmen mit rund 35.000 Mitarbeitern in der Logistikbranche, dem drittgrößten Wirtschaftssektor Deutschlands. Ziel der „NordLogistik“ ist es, mit Gästen aus Politik und Wirtschaft über die logistischen und verkehrspolitischen Anliegen der beiden Nordländer zu diskutieren und Antworten auf aktuelle Fragen zu finden. Das Rahmenprogramm bestand erneut aus einem Geschicklichkeitswettbewerb von Auszubildenden mit dem Lkw. Auf dem Außengelände der MagnusHall wurde dieser Wettbewerb von Auszubildenden zum Berufskraftfahrer/zur Berufskraftfahrerin unserer Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Mehrere Übungen waren zu bewältigen, die beaufsichtigt und bewertet wurden.



Pressegespräch

Für Fragen standen Michael Gröning (UVL) und Hans Stapelfeldt (VSH) den Medienvertretern zur Verfügung. Zeitgleich wurde die Pressemitteilung zur NordLogistik öffentlich gestellt.

„Warum kommen Infrastrukturprojekte mit nationaler Bedeutung im Norden nicht voran?“ Mit dieser Frage machen die Transport- und Logistikverbände Hamburgs und Schleswig-Holsteins auf erheblich Engpässe in der Verkehrsinfrastruktur und deren Ursachen aufmerksam. Wenn Leuchtturmprojekte nicht grundlegend anders als bislang angegangen werden, bricht im Norden Deutschlands schon bald der Verkehr zusammen und viele Arbeitsplätze werden gefährdet, lautete die Prognose. Bereits heute weist die Verkehrsinfrastruktur an verschiedenen Stellen erhebliche Kapazitätsengpässe auf. Angefangen bei der reparaturanfälligen Köhlbrandbrücke mit täglich rund 50.000 Fahrzeugen, davon mehr als 12.000 Lkw pro Tag. Ein weiterer Engpass im Handelsverkehr ist der unvollständige Ausbau der Küstenautobahn A20, ein notwendiges Bindeglied zwischen Skandinavien und Norddeutschland. Und bei der Fahrrinnenanpassung der Unterelbe handelt es sich sogar um ein Verkehrsthema mit bundesweiter Relevanz, das keine weitere Verzögerung mehr verträgt.

Zur „Entspannung“ der Lage wurden unter anderem folgende Lösungsansätze zur Diskussion gestellt:

Langes Einfädeln in den Baustellenbereich von mindestens 5 km, um sich an eine geringere Geschwindigkeit zu gewöhnen und Staus zu vermeiden, auch für den Bereich zwischen den Baustellen mit entsprechend längerer Einfädelung in den nächsten Bauabschnitt.Sicherstellung von Tempo 80 in den Baustellenabschnitten.Vorhandensein ausreichender Notfallbuchten.Beschleunigte Entfernung von verunfallten Fahrzeugen entsprechend den Erfahrungen bei Ausbau der A1 durch A1Mobil.Anregungen, um sowohl den „Bettenwechsel“ in Dänemark als auch in Deutschland vom Samstag weg zu bewegen, um durch mehr Flexibilität den Verkehr zu entzerren.„Simplify“ der Verkehrsmeldungen, Stauvorhersagen für den nächsten Tag in Anlehnung an den Wetterbericht.
Sensibilisierung aller Firmen, Unternehmer, Mitarbeiter, Medien und Familien für eine „erlebbare Baustellenphase“, z. B. durch mehr Flexibilisierung und Entzerrung der Arbeitszeiten, wenn möglich.
Feldversuch „Anpassung des Lkw-Sonntagsfahrverbots“ für die Bauzeiten auf der A7 um Verkehre in den verkehrsärmeren Nachtstunden durch das „Nadelöhr“ zu führen.

Insbesondere der „Feldversuch A7 Sonntagsfahrverbot“ wurde von den Medien interessiert aufgenommen. So titelte beispielsweise die WELT bereits am Tag der NordLogistik:

„Lkw sollen sonntags ab 18.00 Uhr auf die A7

Die norddeutsche Verkehrswirtschaft will die Autobahn A7 entlasten, die in den nächsten zehn Jahren ausgebaut wird. «Wir müssen uns fragen, ob es Lösungsansätze gibt, um die angespannte Situation durch die Dauerbaustelle zu entlasten», sagte Frank Wylezol, Geschäftsführer des Verbandes Straßengüterverkehr und Logistik
Hamburg (VSH), der Nachrichtenagentur dpa in Hamburg. Dazu könne gehören, das Ende des Sonntagsfahrverbots für Lkw von 22.00 auf 18.00 Uhr vorzuziehen.“

Eröffnung durch Thomas Usinger

VSH-Vorsitzender Thomas Usinger begrüßte die Gäste und Teilnehmer der diesjährigen NordLogistik sowie die zahlreich vertretenen Sponsoren.

Er betonte zunächst die Bedeutung des Zusammenwirkens zum Beispiel von SVGen und den Verbänden auf Landes- und Bundesebene. Nur durch gemeinsame Arbeit ließen sich in der Vergangenheit gewerbepolitisch auch Erfolge erreichen, eine Ausscheren aus der Gemeinschaft sei kontraproduktiv.

10.000 Fledermäuse besiegen 20.000 Bad Segeberger? Hat jemand den Wachtelkönig gesehen? Machen die Kröten einen Bogen um ihre Brücke? Mit „Berichten aus Flora und Fauna“ leitete Usinger auf lockere Art und Weise zu den Kernthemen der Veranstaltung über, aber auch mit deutlichen Worten:

„Auch deshalb ein Wort nach Berlin, das Sie, Herr Staatssekretär, auch gern mitnehmen dürfen:

- Wenn Fakt ist, dass 7,2 Milliarden Euro in jedem Jahr an Mitteln fehlen...

- Wenn Fakt ist, das im Koalitionsvertrag nicht einmal 5 Milliarden für VIER Jahre bereitgestellt werden sollen...

- Wenn Fakt ist, dass Luxusvorhaben wie Rente mit 63 oder Mütterrente schneller vorangebracht werden sollen...

dann ist auch FAKT, dass man ein Gespräch mit uns über Gemeinsamkeiten, über Verbindlichkeiten, über Kooperationen nicht mehr freundschaftlich und partnerschaftlich suchen sollte... – weil die Gesprächsgemeinschaft aufgekündigt wird.“



Thementalks Infrastruktur: Planungsrecht und Finanzierung

Zwei Kernpunkte sollten auf der diesjährigen NordLogistik diskutiert werden :

Planungsrecht: 15 Infrastrukturprojekte von nationaler Bedeutung sind zu identifizieren, für die schnellstmöglich ein neues Planungsrecht geschaffen wird. Hierzu gehören die Fahrrinnenanpassung der Unterelbe, die Autobahnen A 20 und A 21 mit Elbquerungen sowie eine neue Ost-West-Querung der Elbe im Hamburger Hafen! Zunehmend werden im Umfeld jeglicher wichtiger Trassen „erstaunliche“ Vorkommen von Fauna und Flora gefunden, die jeweils als „stark gefährdet“ bewertet werden: Fledermäuse (A20), Schierlingswasserfenchel (Hamburger Hafen) oder Wachtelkönig (HH-Neugraben) sind hierfür nur drei von vielen weiteren Beispielen.

Finanzierung: Die Verbände sehen in der verstärkten Nutzerfinanzierung einen geeigneten Weg, die seit Jahrzehnten dramatische Unterfinanzierung der Verkehrsinfrastruktur im Norden zu beenden. Dies ist allerdings kein Freibrief, den Lkw zum Zahlmeister für alle angemeldeten Ansprüche bei der Infrastrukturfinanzierung zu machen da er seine Wegekosten längst deckt.

Moderiert von Carsten Kock, Chefkorrespondent Radio Schleswig-Holstein, diskutierten in den beiden Talkrunden : Enak Ferlemann, parl. Staatssekretär im BMVI, Prof. Torsten Böger, Geschäftsführer der Verkehrsinfrstrukturfinanzierungsgesellschaft mbH (VIFG), Dr. Thomas-Sönke Kluth, stv. Fraktionsvorsitzender der FDP in Hamburg, Martin Huber, Amtsleiter Verkehr der BWVI, Michael Gröning und Hans Stapelfeldt. Eine Vertreterin des BUND aus Schleswig-Holstein hatte wenige Tage vor der Veranstaltung ihr Kommen grundlos ( !) abgesagt.

Staatssekretär Ferlemann betonte, der teils durch EU-Recht vorgegebene Artenschutz sei die größte Engstelle im Planungsrecht. Dieser sei deutlich überzogen, der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sei nicht mehr erkennbar. Eine gänzlich andere Abwägung zwischen Notwendigkeit von Infrastrukturprojekten und Artenschutz sei erforderlich. Dr. Kluth bemängelte grundätzliche Fehler des aktuellen Planungsrechts. Erst werden Vorhaben geplant und zur Planungsreife gebracht, erst dann gäbe es die Bürgerbeteiligung, die das Projekt dann erheblich verzögert. Vorziehen der Bürgerbeteiligung oder Mediationsverfahren wie in den USA könnten helfen.

Alle Vertreter befürworteten im zweiten Teil der Talkrunde das Instrument der Privatfinanzierung sowie den Grundsatz der Nutzerfinanzierung von Verkehrsinfrastruktur. Hier könne man durchaus von den Dänen lernen, wie man es besser machen kann. Hans Stapelfeldt thematisierte auch in dieser Runde die aktuellen Kostensteigerungen der Truckbetriebe wegen der aktuellen Bauvorhaben in und um Hamburg, und stellte die Frage nach der Finanzierung von rund 102 Mrd. € Staukosten p. a. Kreative Ideen wie die Container-Circle-Lines im Hafen auf Schiff und Bahn könnten die angespannte Lage auf der Straße entzerren. Dazu gehöre auch eine dritte Schicht auf allen Containerterminals.



Azubi-Wettbewerb 2014

Auf dem Außengelände der MagnusHall fand im zweiten Jahr ein Wettbewerb von Auszubildenden Schleswig-Holsteins und Hamburgs mit dem Lkw statt. Nach einer Vorauswahl gingen die besten 15 Auszubildenden des Nordens an den Start. Ganze fünf Übungen, vom Geschicklichkeitsfahren bis hin zur Sicherung der Ladung, waren zu bewältigen. Die Übungen wurden von der SVG Hamburg und der SVG-Fahrschule beaufsichtigt und bewertet. Die drei besten Azubis des Nordens wurden am Ende der Veranstaltung durch den parl. Staatssekretär Enak Ferlemann geehrt. Die stolzen Sieger waren:

1. Matthias Fuchs, von : Chr. Carstensen GmbH & Co. KG

2. Marvin Krickau, von : Boyens Internationale Spedition GmbH

3. Patrick Rachhold, von : Hans-Dieter Usinger GmbH

Neben den regulären Wettbewerb fand dieses Jahr noch ein zusätzlicher Wettbewerb für die Azubis statt. Bei diesem Wettbewerb konnten die angehenden Berufskraftfahrer ihren Geschick am Lkw unter Beweis stellen. Die Auszubildenden mussten mit einem Lkw, bei den vorne eine Nagel mit einem Brett befestigt war, Luftballons zerplatzen lassen. Die besondere Schwierigkeit bestand darin, dass auf den Brett ein Wassereimer befestigt war und sie durften nur so wenig wie möglich Wasser verschütten. Die Gewinnerin wurde zusammen mit den Anderen Gewinnern geehrt. Die stolze Siegerin war:

Michelle Whiteley, “ELKAWE“ Container-Service- und Vertriebs-GmbH & Co. KG



Schreibbücher überreicht

Zum Abschluss wurden den Teilnehmern der Talkrunden in diesem Jahr „Schreibbücher“ überreicht. Diese sollen dazu dienen, dass sich die Politik unsere Vorschläge und Forderungen „aufschreibt“, ergänzt und dann auch schnellstens abarbeitet!

Zum Schluss: Get together

Ein buntes Rahmenprogramm rundete die NordLogistik ab wie etwa der Lkw-Fahrsimulator der SVG-Hamburg. Optische Highlights: Ein grüner Feuerwehr-Oldie von IVECO, auch der bekannte KRAVAG-Oldtimer konnte bestaunt werden. Zum Abschluss gab es hinreichend Gelegenheit zum „Small Talk“ mit Kollegen, Politikvertretern und den Ausstellern bei einem leckeren Frühlingsbuffet oder bei gegrillten Würstchen im Freien.


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